Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht an einem Rednerpult vor einem großen Publikum. Auf der Bühne sind unter anderem die Logos von go.Rheinland und der Deutschen Bahn sowie ein Banner zum Ausbau der Westspange zu sehen.

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

 

die vergangenen Jahre haben gezeigt: Mut zur Veränderung lohnt sich. Mit dem Deutschlandticket, eezy.nrw und den Tarifreformen in den Verbünden ist es uns gelungen, den öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen einfacher, digitaler und kundenfreundlicher zu machen.

Das vergangene Jahr hat auch gezeigt, wie viel Bewegung in diesem Bereich steckt. Anfang 2026 konnten wir gemeinsam einen wichtigen Meilenstein erreichen: 15 Millionen Fahrten mit eezy.nrw seit dem Start des elektronischen Tarifs Ende 2021 und gleichzeitig die Einführung des landesweiten Fahrtendeckels. Inzwischen wird eezy.nrw für mehr als eine Million Fahrten pro Monat genutzt und hat sich für viele Menschen zu einem selbstverständlichen Tarifangebot entwickelt. Dazu beigetragen haben sowohl die gemeinsame, konsequente Kommunikation der Tarifvorteile als auch wichtige Reformen in den Verbünden, etwa die Tarifreform des VRR im Frühjahr 2025.

Auch auf Ebene des NRW-Tarifs wurden wesentliche Reformen umgesetzt. Mit der Abschaffung des vor mehr als zwanzig Jahren eingeführten Relationspreises wurde der Tarif grundlegend modernisiert. Das ist ein wichtiger Schritt, um Tarif- und Vertriebsstrukturen in einer Zeit des Deutschlandtickets und digitaler Angebote wie eezy.nrw einfacher und effizienter zu gestalten. Denn neue Angebote entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn bestehende Strukturen konsequent weiterentwickelt werden. Effiziente Vertriebsstrukturen bedeuten dabei auch, dass nicht jedes digitale Tarifprodukt in analoger Form und über alle Absatzkanäle vorgehalten werden muss.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einführung des stark vereinfachten Rheinlandtarifs mit der Zusammenführung der bisherigen Tarifräume von AVV und VRS am 1. Juni 2026. Gleichzeitig hat auch der VRR die zweite Stufe seiner Tarifreform umgesetzt. Für den westfälischen Raum ist die Tarifreform im Jahr 2027 geplant. Das alles zeigt: Nordrhein-Westfalen arbeitet konsequent daran, seine Tariflandschaft einfacher, verständlicher und attraktiver zu machen.

Von besonderer Bedeutung ist auch die langfristige Sicherung des Deutschlandtickets bis 2030 einschließlich eines verlässlichen Mechanismus zur Fortschreibung des Ticketpreises. Diese Entscheidung schafft Planungssicherheit für die Branche und gibt den Fahrgästen zugleich eine klare Preisperspektive.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Zukunft des Deutschlandtickets ist die digitale Nutzungsdatenerfassung. Eine nachfrageorientierte Einnahmenaufteilung wird künftig dazu beitragen, dass Einnahmen aus Ticketverkäufen noch stärker dort ankommen, wo Fahrgäste die Angebote tatsächlich nutzen. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, Prozesse effizienter und digitaler zu gestalten. Nordrhein-Westfalen leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Für die erfolgreiche Umsetzung wird es auch weiterhin auf die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten ankommen.

Das Deutschlandticket hat uns allen gezeigt, welches Potenzial in der Modernisierung bestehender Strukturen liegt. Auch wenn weiterhin Aufgaben vor uns liegen, ist in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht worden. Das gilt nicht zuletzt für die Vereinfachung von Tarifen und Vertriebswegen – immer mit dem Ziel, den öffentlichen Verkehr für die Menschen attraktiver zu machen.

Dieser Anspruch prägt auch die aktuelle Strukturreform des Schienenpersonennahverkehrs in Nordrhein-Westfalen. Die historisch gewachsenen Organisationsstrukturen im SPNV mit ihren zahlreichen Akteuren und Zweckverbänden sind in vielen Bereichen zu komplex geworden, um den heutigen Herausforderungen durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und Mobilitätswende bestmöglich zu begegnen.

Mit der vom Landtag Nordrhein-Westfalen im Mai 2026 beschlossenen Reform schaffen wir die Grundlage für klare Zuständigkeiten und effizientere Strukturen.

Kern der Reform ist die Gründung einer neuen landesweiten Anstalt des öffentlichen Rechts unter dem Arbeitstitel „Schiene.NRW“ in kommunaler Trägerschaft. Wir schaffen damit eine klare Aufgabenverteilung auf landesweiter, regionaler und lokaler Ebene.

Bis zum geplanten Start am 1. Januar 2027 liegt noch viel Arbeit vor uns. Gemeinsam mit den beteiligten Akteuren werden wir diesen Weg entschlossen weitergehen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen: Wenn wir Veränderungen gemeinsam gestalten, können wir viel erreichen. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

Es grüßt Sie herzlich

Oliver Krischer
Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen