
Vertrieb in NRW
Einheitliche Wege fahren!
Benjamin Noll (KCM), Concetta Wilhelm (KCD)
Technische Entwicklungen befinden sich in einem stetigen Wandel – das gilt auch für den Vertrieb im öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Aus der Vielzahl an Möglichkeiten, Tickets an Kund*innen zu bringen, müssen die einzelnen Partner jeweils einen Vertriebsmix wählen, der zu ihren lokalen Rahmenbedingungen passt. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick über die Landesgrenzen hinaus, um internationale Entwicklungen und technische Innovationen auf ihre Einsatzmöglichkeiten im ÖPNV zu prüfen und gegebenenfalls zu übernehmen.
Neben diesen notwendigen individuellen Entscheidungen geht es jedoch vor allem darum, ein möglichst einheitliches und intuitives Kundenerlebnis im gesamten NRW-Verkehrssystem zu schaffen. Dafür reicht es nicht aus, nur Angebote nebeneinander bestehen zu lassen. Vielmehr müssen Prozesse angepasst werden. Der Einsatz neuer Technologien wird mit den verkaufenden Unternehmen abgestimmt und dort, wo es sinnvoll ist, vereinheitlicht. Fahrgäste sollen möglichst wenig Tarifwissen benötigen und ohne Hürden Zugang zum Ticketangebot erhalten – so wird der Einstieg in den ÖPNV erheblich erleichtert.
Wie lassen sich diese unterschiedlichen Anforderungen vereinen?
Um einen abgestimmten, einheitlichen Weg einzuschlagen, der gleichzeitig regionale Besonderheiten berücksichtigt, haben KCD und KCM einen gemeinsamen NRW-weiten Beteiligungsprozess initiiert. Im Zentrum steht die Frage, wie sich der Vertrieb im Spannungsfeld von Digitalisierung, Effizienzdruck und föderaler Struktur neu ordnen lässt.

Auftaktworkshop „Vertriebsstrategie NRW 2027–2031“ am 19. März 2026 in Köln. Eduard Rollmann (Leiter KCM) und Dr. Maximilian Müller (Leiter KCD) eröffnen die Veranstaltung.

Auftaktworkshop „Vertriebsstrategie NRW 2027–2031“ am 19. März 2026 in Köln. Eduard Rollmann (Leiter KCM) und Friedemann Brockmeyer von Ramboll Management Consulting GmbH präsentieren die Ergebnisse der Gruppenarbeiten.
Ziel dieses Verständigungsprozesses ist es, die vielfältigen Themenfelder und unterschiedlichen Anforderungen (z. B. Investitionszyklen, regionale Besonderheiten) zu strukturieren und gemeinsam mit den Akteuren der Branche bis Ende 2026 eine zukunftsfähige Vertriebsstrategie zu entwickeln, die sich an den neuen, technologischen Entwicklungen und Kundenbedürfnissen orientiert.
Welche Themenschwerpunkte stehen im Fokus?
Ein wesentlicher Ausgangspunkt für die strategische Arbeit sind anstehende Neuinvestitionen in die Vertriebstechnik. Erste Projekte bei Verkehrsunternehmen sehen die Beschaffung von Validatoren vor, an denen mittels Tap eine Fahrtberechtigung mit einer Bankkarte erworben werden kann (ID-based Ticketing, IDBT). Diese ersetzen künftig die klassischen Ticketautomaten mit Münzeinwurf und Ausgabe von Papiertickets. Im weiteren Verlauf sollen die weiteren Anwendungsmöglichkeiten des Account-Based Ticketing nutzbar gemacht werden. Beide Ansätze sehen die Abspeicherung von Fahrtberechtigungen in einem Online-Ticketspeicher vor. Für Fahrgäste wird der Zugang damit moderner; für Verkehrsunternehmen eröffnen sich neue Möglichkeiten für durchgängige und besser vernetzte Vertriebsangebote sowie schlankere Prozesse.
Gerade in diesen Bereichen ist es entscheidend, Insellösungen zu vermeiden. In einem eng miteinander verflochtenen Bundesland wie Nordrhein-Westfalen ist es für ein gutes Kundenerlebnis wichtig, dass ein genutztes Medium – bspw. die Kreditkarte – im gesamten Gültigkeitsgebiet, also ggf. auch bei Verkehrsunternehmen in benachbarten Kommunen oder im SPNV, als gültiger Fahrausweis anerkannt wird.
Darüber hinaus besteht das Ziel, auch bei klassischen Vertriebswegen stärker zu harmonisieren. Dies betrifft unter anderem den Ticketverkauf an Automaten, den Vertrieb im Fahrzeug durch Busfahrer sowie bargeldlose Bezahlmöglichkeiten. Einheitliche Standards und Prozesse sollen dazu beitragen, die Nutzung insgesamt einfacher und komfortabler zu gestalten.

Abb. 1: Die Einführung von Tap-Systemen und ID-based Ticketing soll den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr vereinfachen.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie aus den vielen Einzelperspektiven ein gemeinsames strategisches Bild für NRW entstehen kann. Entscheidend wird sein, unterschiedliche Interessen, technische Entwicklungsstände und regionale Anforderungen so zusammenzuführen, dass am Ende tragfähige gemeinsame Leitlinien entstehen. Der laufende Beteiligungsprozess geht damit über eine reine Bestandsaufnahme hinaus und soll die Weichen für einen Vertrieb stellen, der auch in Zukunft anschlussfähig, praxistauglich und für Fahrgäste verständlich bleibt.
Ziele für eine gemeinsame und zukunftsfähige Vertriebsstrategie in NRW
