
Kundenzufriedenheit in NRW
Sonderauswertung des NRW-Kundenbarometers 2024
Monika Schreiber (KCM)
Wie in den Jahren zuvor gab es 2024 zahlreiche gewichtige äußere Einflussfaktoren für den ÖPNV, die sich auf die Zufriedenheit der ÖPNV-Kund*innen in NRW auswirkten: Neben dem 2023 eingeführten Deutschlandticket hatten sich nach 2022 die Sprit- und Energiekosten wieder etwas normalisiert, große SPNV-Bauprojekte wurden fortgeführt sowie weitere begonnen.
Das Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM) nutzte das gemäß dem üblichen Zweijahresrhythmus vorgesehene NRW-Kundenbarometer 2024, um erneut die aktuelle Zufriedenheit der Nahverkehrskund*innen in NRW abzubilden.
Beim NRW-Kundenbarometer 2024 wurden von September 2024 bis Anfang Dezember 2024 rund 18.700 ÖPNV-Kund*innen befragt. Die Beurteilung der 26 Merkmale erfolgte anhand der bewährten verbalen Skala von vollkommen zufrieden (= 1) bis unzufrieden (= 5).
ÖPNV-Kund*innen in NRW 2024 im Allgemeinen erneut deutlich weniger zufrieden
Ausgewählte Zufriedenheitswerte – Entwicklung seit 2020

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung ausgewählter Zufriedenheitsergebnisse der ÖPNV-Nutzer*innen aus NRW seit 2020.
Nachdem 2022 die allgemeine (Global-)Zufriedenheit der ÖPNV-Kund*innen in NRW bereits von 2,87 (2020) auf 3,11 gefallen war, ist sie 2024 erneut signifikant niedriger und liegt nun bei 3,16.
Weniger zufrieden sind die Fahrgäste auch mit dem überwiegenden Teil der abgefragten Leistungsmerkmale, lediglich mit dem Luftlinientarif eezy.nrw, dem Fahrpersonal, den Tarifsystemen sowie dem Preis-Leistungs-Verhältnis sind die ÖPNV-Nutzer*innen 2024 deutlich zufriedener als 2022. Die beiden letztgenannten Bewertungen hatten sich 2022 zunächst signifikant gegenüber 2020 verschlechtert, um sich dann 2024 wieder deutlich zu verbessern (Tarifsysteme) bzw. die Bewertung aus 2020 sogar zu übertreffen (Preis-Leistungs-Verhältnis). In diesen Bewertungen spiegelt sich zum einen wider, dass der Befragungszeitraum der Vorgängerstudie im Herbst 2022 direkt an den 9-Euro-Ticket-Zeitraum grenzte. Mit dem 9-Euro-Ticket konnte man den ÖPNV in den Sommermonaten 2022 für 9 Euro pro Monat deutschlandweit nutzen. Dass dieses Ticket nicht weiterhin angeboten wurde, sondern wieder die normalen Tarife und Preise galten, war sicherlich ein Hauptgrund für die erheblich schlechtere Bewertung dieser beiden Aspekte. Zum anderen gibt es seit Mai 2023 das Deutschlandticket, mit dem man (zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2024) für 49 Euro pro Monat den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen konnte – mit weiteren, rabattierten Ticketvarianten (z. B. für Schüler*innen, Student*innen oder als JobTicket) sogar noch günstiger.
Insgesamt gesehen liegen die Zufriedenheitswerte für die Tarifsysteme und das Preis-Leistungs-Verhältnis nach wie vor auf den letzten Plätzen aller Zufriedenheitswerte. Lediglich die Bewertung der Informationen bei aktuellen Störungen und Verspätungen fällt noch schlechter aus. Sie liegt 2024 bei 3,57 und hat sich somit im Vergleich zur ohnehin nicht guten Einstiegsbewertung aus 2022 (3,49) nochmals deutlich verschlechtert. Hier zeigen sich – wie auch beim Merkmal Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit (Bewertung 3,22 in 2024) – die Auswirkungen der vielen großen Baustellen im SPNV. Diese schränken derzeit die Qualität stark ein, wovon ein Großteil aller ÖPNV-Nutzer*innen aus NRW betroffen ist. Neben der Qualität des Fahrangebots an sich scheint auch die Information über aktuelle Einschränkungen nicht gut zu funktionieren, was die Kund*innen mit der schlechten Bewertung zum Ausdruck bringen.
Der Luftlinientarif eezy.nrw ist 2022 mit einer bereits sehr guten Einstiegsbewertung von 2,50 als neuer Leistungsaspekt hinzugekommen. 2024 hat sich diese Note nochmals erheblich verbessert und liegt aktuell bei 2,16 – eezy.nrw hat somit die größte Verbesserung in der gesamten Studie 2024 erfahren und liegt nun auf Platz 2 der Rangreihe aller Leistungsmerkmale. Noch etwas besser bewerten die Kund*innen nur den Kauf eines Handytickets mit 2,14.
Anteil der Deutschlandticket-Nutzer*innen

Deutschlandticket als Chipkarte oder digital

Deutschlandticket
Fast die Hälfte der ÖPNV-Nutzer*innen in NRW ab 16 Jahren geben im NRW-Kundenbarometer 2024 an, für ihre Fahrten hauptsächlich den klassischen Bartarif zu nutzen. Gut vier von zehn besitzen ein Deutschlandticket. Die meisten davon (70 %) besitzen die Standardvariante des Deutschlandtickets für (zum Befragungszeitpunkt im Herbst 2024) 49 Euro pro Monat. Weitere 11 % haben die rabattierte JobTicket-Variante, 8 % haben das Deutschlandticket als Semesterticket, 7 % das Deutschlandticket für Schüler*innen und 3 % das Deutschlandticket sozial (Abb. 2). Insbesondere der vergleichsweise niedrige Anteil an Inhaber*innen des Deutschlandtickets für Schüler*innen dürfte der Altersgrenze von 16 Jahren bei den Befragten im NRW-Kundenbarometer geschuldet sein und fällt in der Gesamtbevölkerung sicherlich höher aus.
Über die Hälfte der Deutschlandticket-Inhaber*innen besitzen das Ticket in Form einer Chipkarte. Alle anderen haben die digitale Variante auf dem Smartphone (Abbildung 3).
Zufriedenheit der Deutschlandticket-Inhaber*innen
Wie Abbildung 4 zeigt, unterscheidet sich die Zufriedenheit der Deutschlandticket-Inhaber*innen je nach Aspekt deutlich von der der übrigen ÖPNV-Nutzer*innen.
Die allgemeine (Global-)Zufriedenheit der Deutschlandticket-Inhaber*innen liegt mit 3,11 signifikant über der der Nicht-Inhaber*innen (3,20) und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Tarifsysteme werden von den Deutschlandticket-Inhaber*innen signifikant besser bewertet. Vor allem beim Preis-Leistungs-Verhältnis geht die „Schere“ sehr deutlich auseinander: Die Differenz beträgt 0,59 und damit fast zwei Drittel einer „Note“ auf der Kundenbarometer-Skala.
Wer kein Deutschlandticket hat, vergibt für die Tarifsysteme durchschnittlich die Note 3,49. Deutschlandticket-Inhaber*innen bewerten sie dagegen mit 3,29. Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass sich Deutschlandticket-Inhaber*innen nicht (mehr) mit den Tarifsystemen auseinandersetzen müssen.
Deutschlandticket-Inhaber*innen sind aber nicht grundsätzlich zufriedener als die übrigen ÖPNV-Nutzer*innen. So bewerten beide Gruppen beispielsweise die Schnelligkeit der Verbindungen annähernd gleich gut (2,72 bzw. 2,73). Fahrtbezogene Aspekte wie die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, das Platzangebot oder die Sauberkeit im Fahrzeug werden dagegen von den Deutschlandticket-Inhaber*innen schlechter bewertet als von den übrigen ÖPNV-Nutzer*innen. Hauptsächlicher Grund hierfür dürfte die durchschnittlich höhere ÖPNV-Nutzungshäufigkeit der Deutschlandticket-Inhaber*innen sein. Wer häufiger den ÖPNV nutzt, ist auch eher von Leistungseinschränkungen wie Verspätungen oder Ausfällen betroffen und erlebt auch eher (sehr) volle Fahrzeuge, gerade in den Hauptverkehrszeiten. Zudem rückt die Sauberkeit etwas stärker in den Fokus, wenn sie beispielsweise wiederholt nicht den Erwartungen entspricht, was ebenfalls eher bei häufigerer ÖPNV-Nutzung vorkommen kann.
Zufriedenheit nach Deutschlandticket-Besitz mit ausgewählten Leistungsmerkmalen

Die Ergebnisse des NRW-Kundenbarometers zeigen die Bedürfnisse der Fahrgäste. Die teilweise überfälligen Baumaßnahmen sind notwendig und müssen derzeit umgesetzt werden, sodass negative Auswirkungen auf die Leistung und die Qualität des ÖPNV-Angebotes meist nicht zu vermeiden sind. Dennoch kann zumindest an der Kommunikation dieser Auswirkungen wie Ausfälle, Verspätungen, Umleitungen etc. beispielsweise über geeignete Echtzeit-Informationskanäle gearbeitet werden, um auf diese Weise die betroffenen Fahrgäste zu unterstützen und den Unmut zu verringern.
Ob dies gelingen wird und wie sich die Situation weiter auf die Zufriedenheit der ÖPNV-Kund*innen auswirkt, wird das nächste, für das Jahr 2026 geplante NRW-Kundenbarometer zeigen.