Haltestellenszene mit Stadtbahn und wartenden Fahrgästen.

Fahrten und Einnahmen

Ein Blick aufs Zahlenwerk und dessen Hintergründe

Lucas Böhm (KCM)

Das im Mai 2023 bundesweit eingeführte Deutsch­land­ticket revolutioniert weiterhin den ÖPNV. Nach der Einführung des rabattierten Monats­tickets kam es zu aus­geprägten und nachhaltigen Wanderungs­bewegungen der Kund*innen weg von den klassischen Tarif­angeboten hin zum neuen Deutschland­ticket. Mittler­weile fährt ein beträchtlicher Teil der Fahr­gäste mit dem Deutschlandticket im ÖPNV.

2024: Die Herausforderungen gehen weiter

Die Einführung des Deutschlandtickets hat weiterhin starke Auswirkungen auf den NRW-Tarif. Anders als in den regionalen Tarifen in NRW wurde das Deutsch­land­ticket nicht Teil des NRW-Tarifs. Kund*innen, die vorher regelmäßig tarif­raum­über­greifende Fahrten getätigt hatten und somit zwangs­läufig Kund*innen des NRW-Tarifs waren, wurde nun ein sehr attraktives Produkt angeboten, welches dazu führte, dass der NRW-Tarif eine erhebliche Anzahl an Kund*innen an das Deutschlandticket verlor.

Schadensprognose Deutschlandticket

ÖSPV SPNV Summe
PauschalpreisTickets –7.592.693,74 € –50.326.554,96 € –57.919.248,70 €
RelationspreisTickets (inkl. eTarif pauschal) –2.687.248,67 € –28.982.344,40 € –31.669.593,07 €
SemesterTickets –6.850.899,08 € –41.315.997,16 € –48.166.896,24 €
BahnCard 25/50 –214.481,65 € –2.664.969,08 € –2.879.450,73 €
NRWplus –679.341,93 € – –679.341,93 €
Gesamt –18.024.665,07 € –123.289.865,59 € –141.314.530,67 €

Weiterhin hohe Schadenssummen und Personalkosten

Im NRW-Tarif sanken die Gesamt­ein­nahmen im Jahr 2024 um insgesamt 90,5 Millionen Euro. Im Vergleich zum letzten vollständigen Jahr ohne Covid-19-Pandemie (2019) steht weiterhin ein hoher Ein­nahmen­schaden von 141,3 Millionen Euro. Zudem blieb der Verlust einer großen Anzahl an Kund*innen in den Konkurrenzprodukten zum Deutschland­ticket nicht unbemerkt. Im Vergleich zum Vorjahr gab es hier einen Rückgang der Einnahmen von 32,2 % bei den PauschalpreisTickets und 33 % bei den RelationspreisTickets. Aufgrund der Umstellung der SemesterTickets NRW auf das Deutschland­semesterticket sanken die Einnahmen um 67,8 Millionen Euro. Auch die Einnahmen aus Zeit­karten für Schüler*innen und Azubis sanken um 97 %. Beim eTarif eezy.nrw (tarifraumübergreifende Fahrten) hin­­gegen konnten die Einnahmen um 80 % auf ca. 2,4 Millionen Euro gesteigert werden. Darüber hinaus belasteten die Verkehrs­unternehmen im Jahr 2024 die gestiegenen Personal­kosten durch die erfolg­reichen Tarifverhandlungen.

Planungssicherheit durch Mittel von Bund und Land

Die drohenden Einnahmenverluste durch die Einführung des Deutschlandtickets wurden von Bund und Länder frühzeitig erkannt. Da der ÖPNV systemrelevant ist und sowohl zur Daseinsvorsorge als auch zum Klimaschutz beiträgt, sollte die Einführung des Deutschlandtickets den Nahverkehr nicht gefährden. Daher haben Bund und Länder beschlossen, sich mit jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr an der Finanzierung zu beteiligen. NRW übernimmt davon 280,8 Millionen Euro. Zusätzlich erhalten die Länder jährlich 1 Milliarde Euro an Regionalisierungsmitteln zur Finanzierung des Bus- und Bahnangebots. Die Verkehrs­unternehmen und Millionen von Pendler*innen im Land NRW hatten somit Planungssicherheit.