
Ausschreibung für ein Konzept
Die digitale Nutzungsdatenerfassung
Eduard Rollmann (Leiter KCM), Marius Meyer (KCM)
Hintergrund
Die Einführung des Deutschlandtickets brachte eine bundesweit einheitliche Tariflösung, die das Reisen über Verbund- und Tarifgrenzen hinweg in ganz Deutschland vereinfacht hat. Das Deutschlandticket ist als digitales Produkt erhältlich, wobei das Nutzungsverhalten derzeit durch Marktforschungen untersucht wird. Eine flächendeckende, nutzungsbasierte Auswertung des Fahrverhaltens erfolgt jedoch noch nicht mit ausreichender Genauigkeit.
Am 20. März 2023 beschloss der Koordinierungsrat Deutschlandticket den „Leipziger Modellansatz“, der eine nachfrageorientierte Verteilung der Deutschlandticket-Einnahmen ab 2026 vorsieht. Die Sonder-Verkehrsministerkonferenz bestätigte diesen Ansatz am 29. April 2024. Um die Einnahmen sachgerecht und nutzungsorientiert zu verteilen, ist eine weitgehend digitale Erfassung des Fahrverhaltens notwendig.

Ausschreibungsziel
Ziel der Ausschreibung war die Entwicklung eines Umsetzungskonzepts für ein digitales System zur Nutzungserfassung des Deutschlandtickets. Dieses Konzept sollte eine einheitliche Datenbasis für eine gerechte Einnahmenaufteilung schaffen. Die Erfassung sollte über Smartphone-Apps mit GPS und Modalitätserkennung sowie ergänzendem Einsatz von Bluetooth-Beacons erfolgen. Weitere Technologien wie automatische Fahrgastzählsysteme und Mobilfunkdaten sollten die Datenbasis ergänzen.
Rahmenbedingungen
Die Erfassung muss deutschlandweit einheitlich und digital erfolgen. Die Daten sollen auf Ebene der Tariforganisationen, Verkehrsunternehmen und Länder zugeordnet werden können. Die künftige Einnahmenaufteilung ist bislang noch nicht festgelegt worden, erste Ideen basieren auf einer individuellen Nutzung des Tickets, wobei die Anzahl der Fahrten und die Fahrtweite berücksichtigt werden. Die Fahrten würden gewichtet und zu Fahrteneinheiten umgerechnet, um den Erlös je Fahrteneinheit zu bestimmen.
Technologie und Infrastruktur
Das Konzept umfasst die Beschaffung einer mobilen Applikation und Beacons zur Datenerhebung sowie eines zentralen Systems zur Speicherung und Verarbeitung der Nutzungsdaten. Die Technologie muss energiesparend arbeiten und die Erfassung der Bewegungsdaten auf die ÖPNV-Nutzung beschränken. Eine Abhängigkeit von einem Anbieter oder einer Technologie ist zu vermeiden.
Ausschreibung
Die Ausschreibung wurde durch das KCM durchgeführt und am 07.03.2025 veröffentlicht. Den Zuschlag hat die Mobilité Unternehmensberatung GmbH, die in einer Bietergemeinschaft mit dem infas–Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH und MOTIONTAG GmbH aufgetreten ist, erhalten.
Geplantes weiteres Vorgehen
Das Konzept bildet die Grundlage für potenzielle Feldtests mit einer voraussichtlichen Dauer von sechs Monaten, die die Tauglichkeit der Technologie in unterschiedlichen Raumtypen und Verkehrsmitteln sowie die Datenqualität für den Zweck der Einnahmenaufteilung überprüfen sollen. Die Feldtests sind in zwei Phasen unterteilt: Proof of Technology (PoT) und Proof of Concept (PoC). Die Ergebnisse der Feldtests fließen in die finale Umsetzung des Systems ein.